#2 – Du, dein Startup und dein Polarstern

… vielleicht nicht gleich ein Startup, aber definitiv ein Unternehmen. Wir wissen ja, dass ein Startup die Definition nur erfüllt, wenn es unter den Bedingungen extremer Unsicherheiten operiert!

Ich wage mal zu behaupten, dass wenn du in Deutschland ein Maschinenbaustudium oder die Ausbildung zum Mechatroniker anfängst, du genauso wenig ein Startup bist, wie ein Dönerladen an der Partymeile. Dein Geschäftsmodell, deine Kundschaft und dein Produkt sind ziemlich klar und vorhersagbar.

Aber was ist überhaupt ein Unternehmen?

Und so kann man einem innerhalb von 15 Sekunden die Lust an der Wirtschaft verderben:

wirtschaftslexikon.gabler.de

Solche Definitionen müssen WiWis vor allem in den ersten paar Semestern auswendig lernen und das gehört mit zu den Kontras, bei der Studienwahl. Diese Definition ist eher was für Juristen. Sie nimmt dem Wesen des Unternehmens dessen Menschlichkeit.

Viel interessanter ist es zu sehen wie einer der erfolgreichsten Unternehmer unserer Zeit das beschreibt, was er da immer wieder gründet:

Unternehmen sind in der Tat meist nur eine Gruppe von Menschen – manchmal kleiner manchmal weltumspannend groß – , die sich zusammengefunden haben, um durch ihre Güter (Produkte und Dienstleistungen) die Probleme ihrer Kunden zu lösen. Der Wert eines Unternehmens ergibt sich indirekt aus dem Wert, den dessen Kunden der Lösung ihres Problems zuschreiben.

Löst du mein kleines Hungerproblem nach dem Feiern, so ist es mir ein paar Euro wert. Bist du der einzige Mensch auf der Welt, der Krebs heilen kann, so kannst du den Preis bestimmen.

Ja, Unternehmen können auch Einzelpersonen sein, wie uns zahlreiche Selbstständige in Deutschland zeigen. Viele Ärzte, Therapeuten, Anwälte, Berater, Freelancer, Künstler sowie die vielen Gewerbetreibenden in der Gig Economy betreiben Einzelunternehmen.

Diese Unternehmen scheinen recht eindeutig definiert zu sein. Das Gut einer Anwältin ist es, mich zu beraten und, wenn nötig zu vertreten. Das ist mir wertvoll und dafür zahle ich ihr Geld. Genauso ist ein Theaterstück, für die Zuschauer wertvoll und sie zahlen dafür die Eintrittskarte. Die Erstellung eines Firmenlogos oder die Lieferung einer Pizza ist für die Kunden des Freelance-Designers und der Fahrradkurierin auch einen bestimmten Geldbetrag wert.

Uns selber als Unternehmer oder Unternehmen zu betrachten, ist dagegen etwas schwieriger. Was ist unser Unternehmenszweck? Was ist unser Produkt? Was ist unsere Dienstleistung? Wer ist unser Kunde?

In meinem 1. Artikel habe ich unser Skillset als unser Gut definiert. Dieses Gut müssen wir jetzt systematisch so entwickeln, dass es am Ende Probleme unserer Kunden, der Geldgeber, löst und dabei für sie einen Wert generiert, für den die Kunden bereit sind zu zahlen.

Genauso wie es nicht das Ziel eines Startups ist, sofort den Massenmarkt mit einem makellosen Produkt zu bedienen, ist es nicht dein Ziel sofort den Beruf des Data Scientists oder den des Krankenpflegers ausüben zu können.

Viel wichtiger: Du musst deinen Beruf noch nicht einmal im Voraus wissen!

Startups, die wir lieben, haben so gut wie nie gewusst, wie ihr Produkt am Ende aussehen wird. Netflix hat DVDs per Post versendet und Airbnb hat Luftmatratzen zu Zeiten großer Konferenzen vermietet. Twitch war eine One-Man-Live-Online-Reality-Show und Paypal erlaubte es Ebay-Händlern, Zahlungen per Email zu erhalten.

Erfolgreiche Startups konzentrieren sich auf das Problem und nicht die Lösung. Die richtige Lösung finden sie durch das systematische Vorgehen „Bauen – Messen – Lernen“ (ich merke gerade wie unschön das Konzept sich auf deutsch anhört).

Dabei bleibt der Fokus auf dem Problem der Kunden, während man grundsätzliche Annahmen und Funktionen testet. Im Anschluss passt das Startup die Lösung an und testet weiter.

Und wir müssen uns auf den Zweck konzentrieren und nicht den Beruf.

Wie soll man sich auch auf ein bestimmtes Berufsbild einstellen, wenn es dieses Berufsbild in 10 Jahren so wahrscheinlich nicht mehr geben wird? Als ich mein Abi gemacht habe, war es keine Option, Digital Marketing Agenturen als Werbekunden von Twitter und Snapchat auf den Philippinen zu betreuen und ihnen einheitliche Lösungen für ihr Social Media Employer Branding zu liefern… 🤷🏽‍♂️WTF?!

Mein Vorschlag ist, sich nicht auf ein Berufsbild, sondern auf ein Problemgebiet festzulegen, das einem am Herzen liegt.

Ist dir deine Region und die Erhaltung der Kultur wichtig? Gut! Heißt es, dass du im Gemeinderat einen Bürokratenposten annehmen musst? Nicht unbedingt. Lehrer, Vereinsmitglieder, Künstler und Philanthropen können genauso, wenn nicht viel mehr dazu beitragen.

Hast du auf deiner Südostasien-Reise gesehen, wie sehr die Menschen unter der schlechten Hygiene leiden und möchtest dieses Problem lösen? Super! Willst dich einem NGO anschließen und vor Ort selber anpacken und die Infrastruktur mit aufbauen? Das ist eine Möglichkeit. Eine andere wäre z.B. dein Privileg zu nutzen, Zugang zur besten Bildung der Welt zu haben, studieren zu gehen und neue, günstige Sanitäranlagen zu entwickeln. Womit würdest du eine größere positive Wirkung erzielen?

Viele Wege können zum Ziel führen. Dabei gilt es, den für dich besten und geeignetsten Weg zu finden.

Um es mit den Worten von Michael Seibel, dem CEO von Y Combinator (einem der erfolgreichsten Acceleratoren der Welt) zu sagen:

„Es ist gefährlich mit einer Lösung verheiratet zu sein. […] Welche Lösung auch immer ich mir einfallen lasse, ich werde wahrscheinlich falsch liegen. […] Ich muss die Antwort nicht im Voraus wissen. Das ist nicht das Ziel.“

Michael Seibel

(Pro-Tipp: Ersetz das Wort Lösung durch Berufsbild und lies das Zitat nochmal.)

Welches Problem willst du angehen? Was genau willst du bewirken? Die Antwort darauf ist dein persönlicher Unternehmenszweck – dein Polarstern.

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